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Rede von Ju Sobing am 15.4.2010 - Stadtpfarrkirche Müncheberg
Liebe Gäste, liebe Künstlerinnen,
ich freue mich sehr heute Abend diese Ausstellung mit eröffnen zu können. Nachdem ich hier schon allein und mit der Gruppe der Lietzenkünstlerinnen ausgestellt habe, ist mir dies ein vertrauter und sehr geschätzter Ort.
Die Künstlerinnengruppe WO.02 ist eine freie Vereinigung von Künstlerinnen. Sie wurde 2002 in Wolfenbüttel gegründet. Der Name verweist auf den Gründungsort und auf die gemeinsame Grundhaltung: Wo man ist kann man nicht bleiben. Das ist im Leben so, wir wissen das alle - ganz besonders aber in der Kunst. Begleitet wird die Gruppe seit 1996 von Professor Rolf Thiele, Academie Galan, Frankreich zu den Themen Kunsttheorie, Ästhetik und bildnerische Arbeit an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel.
Die Gruppe besteht derzeit aus 12 Künstlerinnen, die an verschiedenen Orten der Bundesrepublik leben und arbeiten und sich mehrmals im Jahr in Wolfenbüttel treffen in der Auseinandersetzung mit selbstgewählten Themen zu regelmäßigem Austausch und gemeinsamer Arbeit sowie Vorbereitung von Ausstellungen.
Sieben Künstlerinnen der Gruppe stellen hier in Müncheberg aus. Es sind dies Dorothea Knoop, Gabriele Luetgebrune, Christine Mölleck, Mären Penschuck, Christa Schmid-Ehrlinger, Heike Schmidt-Ehlers und Ju Sobing.
Wesentlich für unsere Arbeit ist nicht nur die Auseinandersetzung mit einem gewählten Thema, sondern speziell bei Ausstellungen der Bezug zu dem Ausstellungsort.
Zwiesprache - Zwiegespräch - Zweigespräch - Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet das Wort soviel wie Dialog, Kommunikation. Im eigentlichen Sinne heißt Zwiesprache jedoch eher, dass es sich um ein stummes Gespräch handelt. Zwiesprache ist dann etwas, das im Stillen stattfindet, mit sich selbst, mit der Natur, mit Gott. Vielleicht in Form von Briefen, die nie abgeschickt werden. Kunst - Bilder, Objekte, Installationen können Zwiesprache halten miteinander und mit dem Raum, der sie umgibt. Die austeilenden Künstlerinnen lassen sich bewußt in dieser Ausstellung auf den Kirchenraum ein. Die Arbeiten halten Zwiesprache mit dem was diesen Raum ausmacht und untereinander.
Künstlerisches Handeln ist eine Verbindung von Machen und Denken - mit einem Leerraum dazwischen, immer auf dem Sprung, immer ein Neubeginnen. Und immer wieder aus der Erfahrung des Unmöglichen, das zu tun ist. In einer Grenzzone zwischen Idee und Tatsache. Dieser Schwebezustand gehört zum künstlerischen Tun dazu - unbedingtes Arbeiten, dessen Bedingung das Machen ist. Kunst ist Werden. Sie bringt zur Sprache, was die Sprache nicht ausdrücken kann. Kunst ist eine
Setzung (so drückt es Prof. Thiele aus), sie ist keine Meinung, auch kein Wissen.
Sie ist eine Behauptung, mit der der Betrachter sich auseinander setzen kann -ja
muss, wenn er einen Zugang zu dem Werk finden will.
Kunst kann entbergen und damit den Betrachter zu sich selbst fuhren. Erst durch die
Interpretation, die Bedeutungssuche des Anschauenden wird das Kunstwerk ein
Ganzes.
Dass das hier in dieser Ausstellung ein Stück weit gelingen möge, das wünsche ich
Ihnen und uns Künstlerinnen.
Ich will noch einen Dank anschließen - in besonderer Weise an Ingrid Panse, die wie
gewohnt mit vollem Einsatz dabei ist.
Dank auch an die Helferinnen und Helfer im Hintergrund.
Ich wünsche Ihnen und uns einen guten Abend - vielen Dank